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NATUR- UND KULTURHISTORISCHE BILDUNGSSTÄTTE
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Bildung für nachhaltige Entwicklung
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Freilichtmuseum - Das eisenzeitliche Gehöft
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8   -> Flintschlagplatz
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Die Eisenzeit
Nach der Stein- und der Bronzezeit gilt die Eisenzeit als dritte große Periode der Urgeschichte. Sie wird im nördlichen Mitteleuropa auf 2800 – 2150 Jahre vor heute datiert. Ihr Kennzeichen ist die erstmalige Verwendung und Verarbeitung von Eisen. Dies bedeutete damals Fortschritt und Innovation für die Menschen dank überlegener Geräte und belastbarer Werkzeuge, führte aber auch zu massiven Veränderungen von Natur und Landschaft durch erhöhten Holz- und Waldverbrauch zur Herstellung von Holzkohle. Denn im Gegensatz zur vorhergehenden Bronzezeit wurde das „neue Metall“ nicht mehr in Form fertiger Gegenstände oder Rohlinge importiert, sondern aus den lokal vorhandenen Eisenerzen (in der nördlichen Region Hannover: Raseneisenstein) durch Verhüttung gewonnen. Dies führte vielerorts zu ersten großflächigen Landschaftsdevastierungen. In dieser Zeit entstanden somit lokal die ersten ausgedehnten Heideflächen.
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Die Dauerausstellung
Neue Dauerausstellung
Schon jetzt können Sie einen großen Teil der neuen Dauerausstellung anschauen. Sie befindet sich im Langhaus des Freilichtmuseums und ist während der Öffnungszeiten kostenlos zu sehen (wir freuen uns über kleine Spenden zur Instandhaltung der Gebäude). Anfang 2018 wird sie fertiggestellt sein und feierlich eröffnet. -> Der Termin wird bald bekannt gegeben.
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archäologische Befunde
Auslöser für die Idee eines eisenzeitlichen  Gehöftes als Freilichtmuseum waren archäologische Grabungsfunde des  Landesamtes für Denkmalpflege in der Flur „Grafhorn“ vor rund 30 Jahren,  bei denen ein historisches Grubenhaus zu Tage trat. Es handelte sich um  ein eingetieftes Bohlenständerhaus. Solche Grubenhäuser dienten  überwiegend als Nebengebäude, vornehmlich für handwerkliche Tätigkeiten.

Ergänzend  dazu gibt es zahlreiche Fundstücke aus der unmittelbaren Umgebung, die  aus der Eisenzeit stammen, vor Ort zur Verfügung stehen bzw. gestellt  werden können und sich als Exponate zu Anschauungszwecken hervorragend  eignen. Dazu gehören Kettenglieder, Messer, Eisenaxt, Schlackestücke,  Holzkohle, Urnen, Töpfe mit Leichenbrand, Deckschalen und Beigefäße.  Noch heute sind Holzkohlenmeilerplätze in den Feldern als tiefschwarze,  runde Flächen, aber auch Grabhügel oder Rottegruben, in der näheren  Umgebung anzutreffen.

Die Funde gaben den Anlass, einen  urgeschichtlichen Hauskomplex aus der Eisenzeit in Form eines  Freilichtmuseums direkt neben dem Naturfreundehaus Grafhorn zu  errichten. Dabei handelt es sich um das bereits erwähnte Grubenhaus als  Nebengebäude und in Ergänzung dazu um ein damals übliches Langhaus als  Hauptgebäude. Da die Ausgrabungsfunde in der Region dem Kulturkreis der  sogenannten Nienburger Gruppe (Leitkeramik: Nienburger Tasse) zuzuordnen  sind, sollte das Langhaus von der Haustypologie her auch der Nienburger  Kultur entsprechen. Im Gegensatz zu der damals in anderen Landesteilen  üblichen zweischiffigen Bauweise wurden hier dreischiffige  Wohnstallhäuser, die das Gebäude mittels zweier innerer Pfostenreihen in  drei Schiffe aufteilten, erstellt. Dieser Haustyp gilt übrigens als  Vorläufer des Niederdeutschen Hallenhauses (Zweiständerhaus). Ein  solches dreischiffiges Gebäude der Eisenzeit wurde in ganz Deutschland  bisher noch nicht nachgebaut. Der zugrunde liegende historische Befund  bzw. historisch nachgewiesene Grundriss stützt sich auf eine Ausgrabung  aus dem Jahre 2002 im Raum Cloppenburg. Alle Planungen erfolgten in  Anlehnung an das dort gefundene dreischiffige Wohnhaus aus der  vorrömischen Eisenzeit um 600 vor Christus. Ein ähnliches Haus aus dem  gleichen Kulturkreis wurde erst kürzlich bei Grabungsarbeiten in der  Nähe von Barsinghausen entdeckt.

Quellen:
Dieter Maas (Münster):
Dokumentation  über die Rekonstruktion eines vorrömischen Eisenzeitgehöfts um 600 v.  Chr. und den Bau eines Modells im Maßstab 1:87. Münster, 2008.
Jana Esther Fries (Oldenburg):
„Mehr  als gedacht – Häuser und Gehöfte der Vorrömischen Eisenzeit zwischen  Weser und Vechte“. Aus: Haus – Gehöft – Weiler – Dorf, Siedlungen der  Vorrömischen Eisenzeit im nördlichen Europa; internationale Tagung an  der Freien Universität Berlin vom 20. – 22. März 2009; von Michael Meyer  (Hrsg.), Rahden/Westf.: Leidorf 2010, ISBN 978-3-89646-518-4,
Berliner Archäologische Forschungen, Bd. 8, S. 343 – 355.

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experimentelle Archäologie
Im Gegensatz zur reinen Mueseumspädagogik beschäftigt sich die experimentelle Archäologie (oder auch "Experimentalarchäologie") mit wissenschaftlichen Fragestellungen. Es werden nach naturwissenschaftlichem Vorbild Experimente durchgeführt, genau dokumentiert und anschließend ausgewertet. So wurde beispielsweise im Frühjahr 2017 ein lokales Raseneisenerz, welches im Vergleich zu anderen regionalen Raseneisenerzen relativ wenig Eisengehalt aufzuweisen scheint, auf seine Eignung und Ergiebigkeit getestet - mit Erfolg!
Am 30.4.2017 wurde auf dem Gelände des Freilichtmuseums der erste Rennofen zur Verhüttung von Raseneisenstein errichtet.
Damit das Gebilde stabil bleibt, wurde in dem Ofen ein Feuer zur Trocknung des Lehm-Stroh-Gemischs entfacht. Damit das Gebilde stabil bleibt, wurde in dem Ofen ein Feuer zur Trocknung des Lehm-Stroh-Gemischs entfacht.
Eine Woche später wurde das Erz (der Raseneisenstein) in einem Feuer "geröstet". Dadurch entwichen störende chemische Elemente, wie etwa Schwefel, aber auch gebundenes Wasser. Das Rösten bewirkte auch, dass sich das Erz besser zerkleinern ließ. Dadurch konnte für das Verhütten schädlicher Sand entfernt und die Oberfläche des Erzes vergrößert werden.
Am 13.5.2017 war es dann so weit: Der Rennofen wurde über 10 Stunden gefahren und musste während des Verhüttungsvorgangs ununterbrochen mit einem doppelten Blasebalg bedient werden.Etwa 30 kg Holzkohle und knapp 25 kg geröstetes Erz, das portionsweise eingefüllt wurde, kamen dabei zum Einsatz.
Zwischendurch wurde der Rennofen "abgestochen", so dass die flüssige Schlacke herausrinnen konnte. Daher stammt der Name "Renn(Rinn-)ofen". Die sich bildende Eisenluppe wird jedoch nicht flüssig, da ein Rennofen nicht die Schmelztemperatur von Eisen (1539 °C) erreicht. Anhand der Glühfarbe lässt sich aber durch die Belüftungsdüse sehen, ob die Temperatur zur Eisenreduktion optimal ist (1100 bis 1300 °C).
Am Abend des 13.5.2017 wurde es dann spannend: Hatte sich wirklich eine Eisenluppe gebildet oder ist das gesamte Eisen in die Schlacke übergegangen. Dann wäre alles vergebens gewesen. Um das herauszufinden, wurde der noch heiße Ofen auseinandergebrochen. Der Jubel war groß! Eine Eisenluppe von etwa 1,7 kg wurde geborgen. Daneben noch weitere kleine Luppen, so dass insgesamt etwa 2,3 kg Eisen gewonnen werden konnten.
Die noch glühende Eisenluppe wurde sofort nach der Bergung aus dem Ofen verdichtet, um möglichst viele  Schlackereste herauszuschlagen.
Vielen Dank an die Experimantalarchäologen Bernhard und Matthias vom Sachsenhof Greven und Florian Kobbe (Uetze) für die tolle Unterstützung und den unfassbar engagierten Einsatz!
Daten zum Versuch:
Zeitaufwand:  
Erz abbauen: 2 Stunden
Ofen bauen: 8 Stunden
Erz rösten und zerkleinern: 14 Stunden
Verhütten: 12 Stunden
gesamt: 36 Stunden
Material und Rohstoffe:
Holzkohle: 30 kg (entspricht etwa 100 kg getrocknetem Holz)
Roherz (Raseneisenstein > 60 % Eisengehalt): etwa 100 kg
verhüttetes Erz: 25 kg
Ergebnis: Eisenluppe: 1,7 kg
Die Luppe enthält noch viel Schlacke sowie Holzkohle und muss deshalb noch ausgeschmiedet werden. Dabei werden etwa 1 kg Eisen übrig bleiben.
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